In der nordischen Sage von Ragnarök, der Götterdämmerung, wird vom Untergang der Welt und ihrer Neuentstehung aus dem Chaos erzählt. Ähnlich kataklysmische Erfahrungen machen auch die Teilnehmer beim Erzbergrodeo, der wohl härtesten Enduro-Veranstaltung der Welt. Schinderei ohne Ende für Mensch und Maschine, oftmals bei Bedingungen die auch auf der Anwärterliste für die Genfer Konvention stehen könnten.

Bis auf eine Handvoll Freaks geht da sowieso keiner hin sollte man meinen. Falsch. Die 1.600 Starterplätze sind jedes Jahr innerhalb kürzester Zeit vergeben, 40.000 Zuschauer sind vor Ort und Millionen Zuschauer rund um die Welt verfolgen das Spektakel per Live-Stream im Internet.

Um sich für die Königsdiziplin, dem Red Bull Hare Scramble, qualifizieren zu können, muss man an zwei Tagen im Prolog so schnell wie möglich den Erzberg hochbrennen. Schlappe 14 Kilometer Schotter sind wohl kein Problem, bekommt man in der heimischen Kiesgrube mit der entsprechenden Anzahl an Wiederholungen auch hin. Ist im Prinzip richtig, nur mit dem feinen Unterschied dass der Spaß im größten Tagebau Mitteleuropas stattfindet. Dementsprechend sind auch die Streckenverhältnisse mit extrem steilen Auf- und schwindelerregende Abfahrten. Und wer zum Teufel hat die ganzen Felsbrocken auf dem Track liegen gelassen? 

Aus dem Gesamtstarterfeld qualifizieren sich nur die schnellsten 500 um weiter um Ruhm und Ehre zu kämpfen – Blut, Schweiß und Tränen gibt es umsonst dazu. Die Hare Scramble Strecke führt, jedes Jahr geändert, auf 30 Kilometern durch den Tagebau. Insgesamt 25 Checkpoints gilt es zu passieren, wobei man bei den ersten 9 noch auf die Hilfe der Zuschauer zählen kann. Danach kämpft jeder für sich um in das Ziel an der Erzbergrodeoarena zu kommen. Glitschige Waldstücke, Sand- und Geröllfelder, Steigungen welche die 100% locker überschreiten und was den Trackbuildern sonst noch an Gemeinheiten einfällt – wenn es eine Hölle für Enduristen gibt, dies ist sie.

Auch ich war nach einem Jahr Pause (den Twisting Roads Beitrag zum Erzbergrodeo 2015 gibt es hier) wieder als Fotograf dabei und es war genauso eine Ausnahmeerfahrung wie beim ersten Mal. Schon alleine die Szenerie mit den riesigen Abbautrassen nimmt einem den Atem und dann auch noch selber mitten drin zu sein… unbeschreiblich. Wenn man die Eingangskontrolle hinter sich gelassen hat, ist man in einer anderen Welt, ganz egal ob Fahrer, Zuschauer oder Medienvertreter. Pink Floyd in Vendig trifft Burning Man trifft Kriegsgebiet umreißt das Gefühl zumindest ansatzweise. Auf jeden Fall ganz großes Kino und wer in irgendeiner Art affin zum Endurofahren ist sollte zumindest einmal dabei gewesen sein. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass daraus ein fester Punkt für die künftigen Jahresplanungen wird.

 

 

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